Auf den Spuren der Dunklen Schwester

Kann es sein, dass du, wenn du an Yoga, Spiritualität oder Persönlichkeitsentwicklung denkst, diese Themen mit fitten Körpern in engen Kleidern und verrenkten Positionen oder weissgekleideten heilig aussehenden Meditierenden assoziierst?

Diesen Sommer war ich mit einer Yogaklasse draussen am Üben. Der Platz liegt direkt neben einem Kindergarten. Als die Kinder Pause hatten und uns sahen, hörten wir von weitem schon, wie sie sagten: «Die machen Yoga, ooohhmmmm…». Und sie hielten die Hände in einer Gebetsposition.

Ich musste lachen. Soweit sind wir also. Schon die Kinder wissen, dass Yoga was mit «Ohm singen» und einem heiligen Gesichtsausdruck zu tun hat.

Das ist ein verbreitetes Phänomen.


Kann es sein, dass du, wenn du an Yoga, Spiritualität oder Persönlichkeitsentwicklung denkst, diese Themen mit fitten Körpern in engen Kleidern und verrenkten Positionen oder weissgekleideten heilig aussehenden Meditierenden assoziierst?

 

Hast du schon erlebt, dass du dich nicht getraut hast, dich für die Yogastunde anzumelden, weil du ja nicht so schlank oder beweglich wie alle anderen bist?


Ist es möglich, dass Wachstum und Entwicklung in deiner Vorstellung bedeutet, dass zukünftig in deinem Leben alles harmonisch, weissgeputzt und poliert aussehen sollte?

 

Vielleicht tut es das irgendwann mal, vielleicht aber auch nicht. Vor allem wenn du in einem weiblichen Körper zu Hause bist, ist es sehr wahrscheinlich, dass deine Entwicklung nie ganz mit denen in deinen Büchern übereinstimmen wird.

 

Ich habe jahrelang versucht, in diesen heiligen Zustand der Harmonie zu gelangen. Habe tage-, ja wochenlang in Schweigemeditationskursen versucht, meinen inneren Schweinehund und meine schreiende Kriegerin zu vertreiben oder zumindest zu besänftigen. Wenn ich nur lange genug übe, dann wird das schon werden. Irgendeines schönen Tages werde auch ich so erleuchtet, gleichmütig und heilig sein, wie das der Buddha war.

 

Vielleicht auch nicht.

 

Und vielleicht ist das auch gar nicht das Ziel meines Frauseins? 

 

Gibt es nicht endlose Momente in meinem Leben, in denen ich im Ozean meiner Gefühle unterzugehen drohe oder mein Leben ein einziges Durcheinander ist?
Momente, in denen meine innere Kriegerin im Angesicht der Ungerechtigkeiten dieser Welt schreit und tobt und sich auf keinen Fall beruhigen will? Oder Momente, in denen sich die Angst in mir drin aufbäumt? Oder in denen ich vor einem Trümmerhaufen stehe und ich nicht weiterweiss?

Vielleicht ist dir das auch schon aufgefallen: Je mehr ich diese Gefühle bewerte und versuche, sie loszuwerden, desto mehr krallen sie sich in meinem Inneren fest. Ich werde schwach und gebe meine Kraft an äussere Einflüsse ab.

 

Und wer sagt denn, dass nur, weil es in den meisten heiligen Büchern nicht so steht, diese Momente wertlos, weniger erleuchtet oder sogar negativ sind? 

 

Lange Zeit habe ich in den dunklen Seiten meines Lebens rumgedümpelt, habe oft gedacht, dass doch mit mir was nicht stimmen kann. War ich etwa depressiv?

Bis ich zum Yoga kam und merkte, dass auch diese «negativen» Aspekte meines Wesens nur Energien sind. Dass meine depressiven Verstimmungen und meine Angst einfach Gefühle und Energien sind, die es zu transformieren und vor allem zu integrieren gilt.

Dann gab es eine Zeit, in der ich nur noch dem Licht entgegengeeilt bin und eine gute Yogaschülerin sein wollte, die immer freudig und energiegeladen durchs Leben geht.

Doch auch da merkte ich, wie ich Teile von mir abspaltete. Da gibt es einen Teil in mir, der sich so der Gerechtigkeit und Wahrheit verschrieben hat, dass er im Anblick der Grausamkeiten dieser Welt tobt und wütet. Immer wieder habe ich versucht, meine innere Kriegerin zu besänftigen, friedlich zu stimmen oder gar loszuwerden.

 

Bis ich gemerkt habe, dass es da nichts zu besänftigen oder abzulehnen gibt. 

 

Diese Kriegerin ist, wenn angenommen, geliebt und am richtigen Ort, meine treibende Lebenskraft, die mir schon geholfen hat, Unmögliches möglich zu machen. Doch erst als ich ihr mal wirklich zugehört habe, habe ich verstanden, dass auch dieser Teil meines Wesens nichts Anderes will, als bewusst gehört und akzeptiert zu werden.

 

In der tantrischen Philosophie sind Gefühle reine Lebensenergie. Es wird versucht, genau diese Lebensenergie zu nutzen und zu integrieren. Kann ich die Energie meiner Wut transformieren oder sie auch nur bewusst wahrnehmen und mit ihr umgehen, steht mir eine Kraft zur Verfügung, die Berge versetzen kann. Unterdrücke ich sie, wird sie weggesperrt und findet ihren eigenen Weg, sich auszurücken. Dies geschieht dann meistens auf eine destruktive Art und Weise.

 

So kam es, dass ich meine spirituellen Idealbilder vor dem Altar meines Lebens ablegte und begann, mein eigenes persönliches Bild zu malen. Ohne Konzepte, wie es doch auszusehen hätte. Ich fing an, meiner inneren Stimme zu lauschen und jeden einzelnen Aspekt meines Wesens zu erforschen und zu akzeptieren.

 

Ich bin an Orte gelangt, die dunkel und unbequem waren. Doch ich bin nicht weggelaufen, habe das Monster mit grossen Augen und offenem Herzen angeschaut. Hier habe ich erkannt, dass genau die Asche meiner Illusionen der fruchtbarste Boden meines Lebensgartens ist. Und dass die grösste Dunkelheit der sichterste Ort zur Aufbewahrung der Samen meines Lebens ist. Dass sie dort aufgehoben werden, bis ihre Zeit gekommen ist. Bis der Frühling vor der Tür steht und die Bedingungen für die Pflanzen zu wachsen ideal sind.

Es braucht den Winter, um die ekstatischen Explosion des Frühlings zu ermöglichen. Und erst nach einer langen, dunklen Nacht ist der Sonnenaufgang am Morgen so magisch.

 

Hast du schon mal erfahren, dass in sogenannt «negativen Gefühlen» wie Wut, Traurigkeit oder Ärger eine riesige kreative Lebenskraft steckt?

 

Wusstest du, dass in den schlimmsten Lebenskrisen die grösste Kraft zur Veränderung steckt, wenn wir nicht vor ihnen weglaufen? 

 

Hattest du schon immer das Gefühl, dass hinter dem, was wir so gerne verdrängen, der grösste Schatz des Lebens stecken könnte? 

 

Könntest du dir sogar vorstellen, dass auch eine Depression viel mehr als nur eine Krankheit ist? 

 

All diese Fragen stelle ich mir seit der Zeit, in denen ich selber dachte, dass die dunklen Seiten meines Lebens mich in den Abgrund stürzen lassen werden. Alles erschien hoffnungslos und bedrohlich. Ich wusste nicht wie weiter und wollte nichts mehr, als glücklich zu sein. Und meinte, dazu diese dunklen Seiten weghaben zu müssen.

 

Irgendwann gab ich mir das Recht, so richtig in den Winter meines Lebens zu tauchen. Ich lag in der Dunkelheit, tat nichts und war einfach nur still. Ich vertraute der Kraft der Evolution und lauschte meiner inneren Stimme. Die Angst wuchs und drohte mich zu zermürben. Was, wenn ich jetzt verrückt werde?

 

Und doch blieb ich und vertraute der inneren Weisheit. Denn tief in mir drin wusste ich genau, welches Potential diese dunkle Nacht meines Lebens hatte. Ich blieb und harrte aus, stand im Sturm des Lebens und gab mich voll und ganz der Dunkelheit hin. Ich stieg tiefer und tiefer auf den Grund meines Lebens und wusste nicht, ob ich je einmal wieder soliden Boden unter den Füssen haben werde. Oder ob ich jemals das Licht am Ende des Tunnels sehen würde. Ich schien in ein endloses Loch zu fallen. Doch ich blieb. Denn ich hatte tiefstes Vertrauen in meine innere Stimme und die Weisheit meiner Seele, die mir sagte, dass alles genau so ist, wie’s sein soll.

Und eines schönen Tages sagte die mir, dass es nun wieder Zeit ist, aufzustehen. Dass sich die Lebensgeister in mir wieder zu regen beginnen wollen. Ich öffnete die Augen und richtete den Blick an den Horizont. Noch ganz benommen von der Schwere des Winters fing ich an, den Frühling zu riechen. Die Samen, die ich den ganzen Winter lang ruhen liess, fingen an zu wachsen. Erst jetzt, wo die Bedingungen günstig wurden, fing ich an, sie zu giessen. Und aus der Kraft, welche sie den ganzen Winter gesammelt haben, entstand eine ekstatische Explosion der Lebenskräfte.
Ich fühlte mich stärker denn je. Neue Türen öffneten sich und mein Leben entfaltete sich in seiner strahlendsten Schönheit.


Begegnungen mit der Dunklen Schwester

Ich habe angefangen, die Schattenseiten des Lebens und meines Wesens als «Dunkle Schwester» anzuschauen. Sie gehört genauso zur Familie wie alle anderen Geschwister. Sie will geliebt und geachtet werden. Denn auch sie trägt einen grossen Teil zum Gedeihen der ganzen Familie (oder eben meines ganzen Wesens) bei. Bringe ich sie ins Licht und gebe ihr ihren Platz, dann verliert sie plötzlich ihre Bedrohung und wird dir dankbar erzählen, dass sie schon immer darauf gewartet hat, deine Verbündete zu werden…

 

Ich lade dich ein auf eine Reise auf den Spuren der Dunklen Schwester. Ich eröffne dir einen ganz neuen Zugang dazu in einer bunten Mischung aus weiblichem Yoga, Meditationen, Tempelübungen, Musik, Stille, Austausch und viel Spass und Freude.

 

Du bist eingeladen, dich im Kreis der Frauen genau so zu zeigen, wie du bist.

Wir müssen nirgendwohin gelangen und nichts erreichen. Es geht um ein Zurücklehnen in das, was du wirklich bist, und um das Zurückkehren zu dir selber.

 

Wir entdecken eine weibliche spirituelle Praxis, die möglicherweise ganz anders aussieht, als wir sie aus den Büchern kennen. Und wir wollen verschiedene Wege beschreiten – neue und ganz alte – die uns helfen, tiefer und tiefer zu unserer eigenen Grösse und Schönheit zu gelangen.

 

Begegnungen mit der Dunklen Schwester: Weekend für Frauen am 1./2. Dezember 2018

Kalia-Yoga-Dunkle-Schwester

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