Eine Geschichte von Parvati und Shiva über den Ursprung des (weiblichen) Yogas

Parvati war Shivas Frau und sie war sehr schön. Sie genoss ihr Leben und hatte ein schönes Zuhause. Sie hatte ein Bad, welches aus Muscheln gemacht war. Dort badete sie sich immer und rieb Sandelholz auf ihren Körper und streckte ihn aus im Morgensonnenschein, und sie fühlte dabei ihren Körper. Es war so köstlich, sie drehte sich auf die eine Seite und auf die andere, und dann beugte sie sich vielleicht zurück über einen Stein und atmete. Sie fühlte sich einfach gut, wenn sie das tat.

Manchmal kam Shiva, der sie so wahnsinnig liebte, und stellte sich hinter einen Pfosten und beobachtete sie. Es machte das ganz heimlich, denn das war ihre private Zeit. Er liebte es, sie zu sehen, wie sie sich so sehr vergnügte.

Und plötzlich begann er zu denken: „Hmm, vielleicht sollte ich das auch tun?“

Also fing er an, sie genau zu beobachten und ging dann in den Wald und versuchte einige der Dinge, gesehen hat, wie Parvati sie so wunderschön im frühen Morgenlicht genossen hat.

 

Da er Shiva war und natürlich männlich, fing er an, diese Bewegungen und diese Positionen zu perfektionieren.

Er organisierte sie und kodifizierte sie und praktizierte sehr fleissig, um sie auch alle richtig hinzukriegen. Als einige seiner Anhänger davon hörten, fragten sie: „Lord, würdest du uns das beibringen?“ Shiva dachte nach und sagte dann: „OK! Los, alle in eine Linie. Eins, zwei, drei, vier! Und jetzt, jetzt müsst ihr SPRINGEN. Linker Fuss rein, rechter Fuss raus! DEHNE deine Arme. Mehr, mehr, mehr!“ Bang, crash. Und er trainierte seine Schüler.

 

Nach einiger Zeit sagte er: „Mmm. Ok, ich werde jetzt einigen von euch Zertifikate verteilen.“ Und er verteilte die Zertifikate und sandte seine Anhänger in die Welt hinaus, um dort Ashrams und Yoga Zentren zu eröffnen.

Und ja, wir kennen den Rest der Geschichte...

 

Und was wurde aus Parvati?

Oh, sie ist immer noch zu Hause, erfreut sich am schönen Sonnenschein, nimmt ihr Bad, reibt sich mit Sandelholzpaste ein, macht hier eine Drehung und dort eine Rückbeuge und fühlt sich einfach unglaublich köstlich.

Eines Morgens könnte sie aufwachen und zu sich selber sagen: „Also, ich weiss nicht, was da in der Yogawelt vor sich geht, vielleicht sollte ich herauskommen und denen zeigen, woher das alles kommt...“

 

 

LUST AUF MEHR?

 

Hast du schon Yoga, Meditation oder andere spirituelle Übungswege praktiziert und hast gefühlt, dass da noch mehr ist. Möchtest tiefer gehen oder eine eigene Praxis entwickeln, die dich jeden Tag von Neuem nährt und inspiriert?

 

Schon seit längerer Zeit bin ich selber am Erforschen eines weiblichen Yogaweges. Ich habe irgendwann gemerkt, dass die meisten Yogastunden von männlichen Elementen geprägt sind, obwohl die Klassen voller Frauen sind.

 

Kein Wunder, denn der Hatha Yoga wurde grösstenteils vor ca. 100 Jahren von indischen Männern entwickelt. Was wir Frauen im 21. Jahrhundert brauchen, sieht manchmal etwas anders aus. Ich fragte mich also: Wie kann ich, basierend auf jahrtausendaltem Wissen, meinen ganz eigenen weiblichen Weg finden?

 

Auf meiner Reise bin ich neue Weg gegangen – und ganz alte. Ich habe die Tradition geehrt, sie hat mich fasziniert und inspiriert. Und gleichzeitig habe ich mich mehr und mehr getraut, meiner inneren Stimme und meiner Intuition zu folgen.

 

Was daraus entstanden ist, ist eine Yogapraxis, die oft ganz anders ausschaut als die, die wir in den Büchern finden. Sie fühlt sich echt an, fühlt sich gut an, wenn auch nicht immer nur köstlich. Ich spüre mich und meine Bedürfnisse in jeder Bewegung und lerne mich dabei immer besser kennen. Und komme dem, was ich wirklich bin, Schritt für Schritt ein kleines bisschen näher.

 

Meine Lehrerin Chameli Ardagh erzählt manchmal die wunderbare Geschichte über die Yoginis: In der Yogini Tradition sagt man, dass Wissen nur wahr bleibt, wenn es nicht aufgeschrieben, sondern mündlich überliefert wird. Und die Yoginis haben die Weisheiten in den Blättern der Bäume, in den Steinen, in den Bergen und Flüssen gespeichert. So dass diese Weisheit, wenn die Zeit reif ist, wieder von den Menschen empfangen werden kann.

 

Wir sind also eingeladen, uns diesem alten Wissen zu öffnen, unsere eigenen Wege zu gehen, zu lernen, unserer inneren Stimme und Intuition zu folgen. Und gleichzeitig haben uns die Yogis und Yoginis einen riesigen Schatz an Werkzeugen hinterlassen, die uns auf unserem Weg bereichern.

Das Zusammenspiel von altem Wissen - Techniken, Stellungen, Texten - und dem, was wir empfangen, also den Raum, den wir uns lassen, damit sich unser Körper und unsere eigene Weisheit ausdrücken kann, finde ich unglaublich spannend. Es ist ein Tanz von Shiva und Shakti, von Struktur und Fluss, vom Weiblichen und vom Männlichen, das uns ganz und echt werden lässt.

 

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